top of page

Sein ist genug.


Sein ist genug

Vom großen Feuer zur stillen Glut

Hallo, sei herzlich gegrüßt!

 

Ich hoffe, es geht dir gut und du hast eine angenehme Sommerzeit.

 

Dieser Tage bekommen wir das Element Feuer sehr nah zu spüren, und das beschäftigt mich. Gerade weil der Sommer in der chinesischen Tradition dem Feuer zugeordnet ist.

 

Das Feuer, das wir gerade erleben, zeigt seine wilde, zerstörerische Seite.

Es breitet sich aus, nimmt Raum ein und lässt uns spüren, wie gewaltig diese Kraft sein kann.

 

Und auch der Qualm, der in den vergangenen Tagen vielerorts in der Luft lag, hat uns ganz unmittelbar erleben lassen, wie nah uns dieses Feuer kommen kann.

 

 

Aber Feuer hat auch andere Seiten.

Es ist Wärme.

Es ist Licht.

Es ist Lebendigkeit.

Es ist Begegnung und Verbundenheit.

Und es ist diese kleine Flamme in uns, die nicht spektakulär lodern muss, um uns zu wärmen.

 

 

Vielleicht erinnerst du dich an die Sonnenfinsternis letzte Woche. Für einen kurzen Moment lag ein Schatten im hellsten Licht. Yin im Yang. Eine kleine Erinnerung daran, dass selbst im stärksten Feuer schon die Möglichkeit von Rückzug und Ruhe enthalten ist.


 


 

 

 

Vielleicht ist es gerade diese sanftere Seite des Feuers, über die ich heute mit dir nachdenken möchte.

 

 

Über die Glut.

 

Über Wärme und Geborgenheit.

Und über unser eigenes kleines Feuer.

 

 

Denn vielleicht kennst du das auch: Der Alltag ist vollgepackt.

Ein Termin folgt auf den nächsten, wir sind unterwegs, kümmern uns, erledigen, organisieren und versuchen, allem gerecht zu werden.

Unsere Gesellschaft scheint uns geradezu dazu einzuladen, immer weiterzumachen.

 

Mehr tun. Mehr schaffen. Mehr erleben.

 

Und irgendwann merken wir vielleicht gar nicht mehr, wie weit wir uns dabei von uns selbst entfernt haben.

 

Ich kenne das gerade selbst ziemlich gut. Inzwischen ist es der vierte Monat, in dem ich keine Praxis mehr habe. Eigentlich ist damit sogar mehr freie Zeit entstanden. Und trotzdem merke ich, wie leicht es mir fällt, andere Dinge vor meine eigenen Bedürfnisse zu stellen.

 

 

Heute Morgen war ich um halb acht wach und habe meditiert. Das war meine Zeit für mich. Eigentlich wollte ich danach noch Qigong machen – noch ein Stück mehr bei mir ankommen, meinen Körper spüren, etwas für mich tun.

 

Aber dann nahm der Vormittag seinen Lauf. Und irgendwann verrät der Blick auf die Uhr: Es ist schon Nachmittag. Plötzlich fehlt die innere Ruhe, um noch etwas für sich selbst zu tun. Dann möchte man lieber mit dem anfangen, was man sich für den Tag vorgenommen hat.

 

Vielleicht kennst du das auch.

Ich höre es jedenfalls immer wieder von Menschen:

 

„Ich mache lieber erst noch etwas im Haushalt, bevor ich mir Zeit für mich nehme. Die Ruhe hätte ich sonst gar nicht.“

 

Und vielleicht steckt genau darin eine kleine Falle unserer Zeit.

Wir versuchen, uns selbst noch besser zu organisieren. Wir suchen nach Methoden, Apps und Möglichkeiten, mit denen wir unsere Tage strukturieren, produktiver werden und weniger abschweifen.

Das kann hilfreich sein.

 

Aber vielleicht ist die nächste Frage nicht:

 

Wie schaffe ich es, noch mehr aus meinem Tag herauszuholen?

 

Sondern:

 

Was davon brauche ich wirklich?

 

Wo darf eine Grenze sein?

Was muss heute nicht mehr geschehen?

Und was brauche ich, damit ich wieder bei mir ankomme?

 

Vielleicht geht es dabei um etwas ganz Grundsätzliches: um die Beziehung zu mir selbst.

Weiß ich, wie es mir geht?

Weiß ich, was ich brauche?

Kann ich mich selbst wahrnehmen, auch wenn gerade nichts von außen meine Aufmerksamkeit fordert?

 

Eine Beziehung entsteht nicht nur dadurch, dass wir etwas füreinander tun. Manchmal entsteht sie auch dadurch, dass wir einfach miteinander sind.

Vielleicht ist genau das die Qualität unseres kleinen Feuers:

 

Ich bin da. Für mich.

 

Nicht, um mich zu optimieren. Nicht, um aus mir noch etwas herauszuholen. Sondern um mich selbst wahrzunehmen und mit mir zu sein.

 

 

Sein ist genug.




Dann bist du in deiner Mitte.

 

Geerdet. Gehalten. Genährt. Aufgehoben.

 

Ich muss nicht ständig brennen, um lebendig zu sein.

Mein Feuer darf ruhiger werden.

Und vielleicht ist Rückzug dann gar kein Rückzug vom Leben.

Vielleicht ist es eine andere Art, ihm zu begegnen.

Eine, bei der ich wieder bei mir ankomme.

 

Vielleicht spürst du es gerade auch draußen:

 

Nach den heißen, manchmal fast überwältigenden Tagen ist plötzlich etwas gekippt.

 

Regen.

Kühle Luft.

Feuchtigkeit.

Durchatmen.

Die Erde nimmt das Wasser auf.

Der Sommer verändert langsam seinen Ton und macht Raum für eine andere Qualität.

 

Das Feuer scheint für einen Moment fast ausgeknipst.

Natürlich wird es noch warme Tage geben. Aber etwas hat sich gewandelt.

 

Die große Hitze zieht sich zurück und macht Raum für eine andere Zeit.

Vielleicht ist das genau der Moment, in dem wir die Glut nicht weiter anfachen müssen.

 

Vielleicht darf sie einfach bewahrt werden.

Und die Erde darf aufnehmen, nähren und zur Ruhe kommen.

 

Vielleicht magst du dich in diesen Tagen einmal ganz still fragen:

 

Was nährt gerade meine Glut?

 

Und:

 

Was nährt meine Erde?

 

 

Nicht als Aufgabe.

Nur als kleinen Gedanken, den du mitnehmen kannst.

 

Und wenn du magst, erzähl mir gerne, wie du das fühlst:

Was hilft dir, bei dir anzukommen?

Was nährt deine Glut, wenn das Außen gerade laut wird?

 

Ich freue mich, von dir zu lesen – ganz in Ruhe als Antwort auf diese Mail.

 

 

Ich wünsche dir einen guten Übergang aus diesem bewegten Sommer in die ruhigere Zeit.

Und vielleicht findest du dabei deinen ganz eigenen Weg, dein Feuer zu hüten, ohne es kleiner machen zu müssen.

 

 

Alles Liebe

Deine Anja 🌿

 


 
 
 

Kommentare


bottom of page